EZB senkt Leitzins für Euro-Zone auf neues Allzeit-Tief

EZB in Frankfurt am Main (AFP)

Im Kampf gegen die Krise hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins für die Euro-Zone auf ein neues Allzeit-Tief gesenkt. Die Währungshüter beschlossen in Frankfurt am Main, den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der Zentralbank mit Geld versorgen können, um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent abzusenken. Die Finanzmärkte reagierten enttäuscht, weil weitere Schritte ausblieben.

Der EZB-Rat habe die Entscheidung für die neue Zinssenkung „einstimmig“ getroffen, sagte EZB-Chef Mario Draghi. In dem Rat sitzen die Vertreter der 17 nationalen Notenbanken der Euro-Zone sowie die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums. Befragt nach der erhofften Wirkung sagte Draghi, er erhoffe sich viel – abhängig davon, wie sich bei den Banken die Nachfrage der Wirtschaft nach Krediten entwickle, die dann in Investitionen fließen können. Unkonventionelle Schritte im Kampf gegen die Krise habe der Zentralbank-Rat am Donnerstag nicht diskutiert, sagte Draghi.

Leitzinsen (AFP)

Noch nie seit Gründung der EZB im Jahr 1998 konnte sich die Finanzbranche bei der Zentralbank so billig mit Geld versorgen. Bereits in den vergangenen Monaten lag der Leitzins auf einem historischen Tiefstand von 1,0 Prozent. Jedoch wuchs zuletzt offenbar der Druck auf die EZB, in der Krise noch weiter zu gehen. Viele Finanzexperten hatten angesichts der lahmenden Konjunktur in einer Reihe von Euro-Staaten mit einer weiteren Zinssenkung gerechnet.

Mit niedrigen Zinsen will die EZB die Kreditvergabe in der Euro-Zone ankurbeln und der schwachen Konjunktur auf die Sprünge helfen. Bereits bei der Sitzung des Zentralbank-Rates vor einem Monat hatten sich einige Notenbank-Chefs für niedrigere Zinsen ausgesprochen.

Die dänische Zentralbank senkte als Reaktion auf die EZB-Entscheidung ebenfalls ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,2 Prozent. Die Zentralbank Großbritanniens beließ hingegen ihren Leitzins auf dem Tiefstand von 0,5 Prozent.

Sparer müssen nach dem EZB-Entscheid teils mit noch schlechteren Zinsen für Tagesgeld rechnen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die viele Verbraucher in der Krise als sichere Häfen sehen, böten für Tagesgeld derzeit ohnehin meist Zinsen von unter einem Prozent, sagte der Chef der Frankfurter Finanzberatung FMH, Max Herbst. Hier werde sich kaum etwas ändern. Zahlreiche andere Banken zahlten aber noch immer attraktive Zinsen. Hier könnten sich die Konditionen um 0,1 bis 0,15 Prozentpunkte verschlechtern.

Banken und Sparkassen kritisierten, die Zinssenkung alleine werde der Wirtschaft kaum Schub geben. „Einen nennenswerten konjunkturellen Effekt wird diese Zinssenkung von ,nahe Null‘ auf ,noch näher Null‘ nicht haben“, erklärte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, kritisierte, die Geldpolitik der EZB allein „könne weder die dringend erforderlichen Strukturreformen in den Euro-Staaten ersetzen, noch das verloren gegangene Vertrauen in die Staatsfinanzen beheben“.

Die Börsen werteten die EZB-Entscheidungen daher als zu zögerlich: Die Börse in Frankfurt schloss mit 0,45 Prozent im Minus bei 6535 Punkten, die Börse in Paris mit minus 1,17 Prozent. Nur die Londoner Börse legte mit 0,14 Prozent leicht zu.

Quelle: AFP | Uwe Anspach

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